Der aktuelle Akzent in der Sammlung Café Luitpold:
Islamische Kunst 1910 – 2010

VON KAFFEE UND EXOTIK

München, Anfang des 20. Jahrhunderts
"Seine Königliche Hoheit Prinz Rupprecht von Bayern (1869 – 1955) fand vor einiger Zeit in der Münchner Residenz eine Anzahl von sehr merkwürdigen altpersischen Teppichen, die seit Jahrhunderten im Besitz des Wittelsbacher Hauses waren und durch den hohen Herrn wieder ans Licht gebracht wurden. Veranlasst durch diesen kostbaren, seltenen Fund hat Seine Königliche Hoheit in Anregung gebracht, im Jahre 1910 in den von der Stadtgemeinde aufgeführten ständigen Bauten auf der Theresienhöhe zu München eine ,Ausstellung von Meisterwerken Muhammedanischer Kunst' zu veranstalten."

Dort wurden "die hervorragendsten noch erhaltenen Erzeugnisse der muhammedanischen Kunst" zur Schau gestellt. Schirmherr der Ausstellung war Luitpold Prinzregent von Bayern, der Namensgeber vom Cafe Luitpold und der Sammlung Café Luitpold. Er förderte die "Muhammedanische Ausstellung", die in mehreren hundert Hallen, sowie Läden und Vitrinen im Bazar- und Café-Gebäude die Menschen auf die Theresienhöhe lockte. Die arabische Spezialität, der Kaffee, wurde sogar in der Bierstadt München zum Volksgetränk. Aber nicht nur der Kaffee war in Mode, auch der türkische Turban, orientalische Kleidung und Ausstattung verkündeten den Zeitgeist im Stile von 1001 Nacht.

Mokka und Mohren. Orient und Genuss. Kaffee und Exotik
Ist die Ausstellung bereits 100 Jahre her, ein Hauch von Orient weht bis heute in der Sammlung Café Luitpold. Hier wird die Geschichte des Getränks erzählt, dessen Siegeszug am Hofe des französischen Sonnenkönigs begann und sich von dort über ganz Europa ausbreitete. Der Zauber von 1001 Nacht wurde zum Erlebnis – besonders im Kaffeehaus.

In Text, Bildern und Objekten zeigt die Sammlung Café Luitpold, was Europas Adel zum Zeitpunkt der 1910-er Ausstellung beim Thema Kaffee und Orient so alles in den Sinn kam. Museumsbesucher erahnen die Pracht und Herrlichkeit, beim Blick auf den Türkischen Saal im höchsten Königshaus Europas, das sich der Märchenkönig, Ludwig II. von 1869 bis 1872 nach den Plänen von Georg Dollmann auf der Schachen-Alpe bei Garmisch erbauen ließ, und wo er sich wie ein Sultan fühlte. Kaffeegeschirr, mit dem man sich nach orientalischer Manier den Mokka zu servieren pflegte, und Lampen, die magisches Licht versprühen, sind zu sehen. Auch kann man sich auf ein Wiedersehen freuen mit einem "alten" Bekannten und "süßen" Verführer. Wen, das mögen Sie selbst entdecken in der Sammlung Café Luitpold, die ab sofort täglich geöffnet ist. Jörg Ankermüller

Unser Bild zeigt eine Vitrine aus der Sammlung Cafe Luitpold, die einen Blick in den Türkischen Saal vom Schachen-Haus des Märchenkönigs ermöglicht.
Foto: Pressestelle Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung.




Mehr zum 100-jährigen Jubiläum der legendären Ausstellung zeigen Münchner Museen, Galerien, Bildungsinstitutionen sowie das städtische Kulturreferat in umfangreichen Ausstellungen und Veranstaltungen. Das interdisziplinäre Programm Changing Views setzt sich mit der Kunst und Kultur aus muslimisch geprägten Ländern auseinander. Das 60-seitige Programmheft Changing Views – 100 Jahre nach der Ausstellung zeigt, was bis Februar 2011 zum Thema in München stattfindet.
www.changing-views.de